Presse 2018

"Volles Amazon-Sortiment bleibt Schweiz verwehrt" - 20 Minuten

20 Minuten vom 23. Mai 2018

www.20min.ch/finance/news/story/Volles-Amazon-Sortiment-bleibt-Schweiz-verwehrt-12912055

von S. Spaeth - Der Schweizer Markteintritt von Amazon steht bevor. Für hiesige Händler dürfte die neue Konkurrenz aber weit weniger stark sein als bisher angenommen.

Amazon goes Switzerland. So jedenfalls tönte es Ende 2017. Damals wurde bekannt, dass die Schweizer Post künftig die Verzollungen sowie einen 24-Stunden-Lieferdienst für den US-Onlinehändler übernehmen wird. Hinweise auf Amazons Schweizer Markteintritt finden sich auch im Handelsregister, wo unter anderem eine Amazon Data Services Switzerland GmbH zu finden ist.

«Amazon ist das Schreckgespenst der Schweizer Händler», sagt MeinEinkauf-Gründer und -CEO Jan Bomholt. Doch fürchten sich Schweizer Anbieter zu Recht? Der Experte hat am Mittwoch an der E-Commerce-Tagung Connect zu diesem Thema referiert und sich im Vorfeld mit 20 Minuten unterhalten. «Ich kann den Schweizer Händlern die Angst nehmen. Denn ganz so schnell wird Amazons Markteintritt mit dem vollen Sortiment nicht möglich sein», erklärt Bomholt.

Amazon hat weltweit über 300 Millionen Artikel im Sortiment. Beim Grossteil davon ist der US-Konzern aber lediglich die Verkaufsplattform und nicht der eigentliche Verkäufer. Laut Bomholt betrifft der Vertrag zwischen Amazon und der Post lediglich jenes Sortiment, das vom US-Handelsriesen selbst verkauft wird. «Dieses ist aber schon heute grösstenteils in die Schweiz lieferbar», sagt Bomholt. Allein auf Amazon.de verkaufen derzeit 100'000 verschiedene Händler ihre Ware, wobei Amazon teilweise den Versand übernimmt.

Warum spannt Amazon überhaupt mit der Schweizer Post zusammen? Hintergrund sind Änderungen im Schweizer Mehrwertsteuergesetz, die ab 2019 in Kraft treten. Neu werden ausländische Versandhändler, die mit Kleinsendungen weltweit über 100'000 Franken Umsatz pro Jahr machen, steuerpflichtig. Dies zwingt Amazon, eine eigene Zoll-Lösung zu implementieren. Der US-Gigant hat also nur noch bis Ende Jahr den Vorteil, dass Kleinsendungen bis 65 Franken Wert abgabenfrei in die Schweiz eingeführt werden können, weil Beträge von 5 Franken oder weniger von den Zollbehörden nicht erhoben werden.

«Die neuen Schweizer Mehrwertsteuer-Regeln werden viele Händler auch künftig davon abhalten, in die Schweiz zu liefern», sagt Bomholt. Der administrative Aufwand lohne sich für sie nicht. Hintergrund der Anpassungen bei den Schweizer Mehrwertsteuer-Regeln ist der Aufstand der Schweizer Versandhändler, die sich durch die abgabenfreien Kleinsendungen aus dem Ausland benachteiligt sahen.

Ebenfalls dürften Rücksendungen für Amazon eine Hürde darstellen: «Die Schweizerische Post wird nach meiner Einschätzung zunächst keine einfache Retouren-Lösung für Amazon selbst anbieten», erklärt Bomholt. Der Experte geht davon aus, dass die Schweizer Kunden das Porto bezahlen und sich selbst um die Formalitäten kümmern müssen.

20’000 unverzollte Kleinsendungen pro Tag

Wann genau Amazon mit seiner Schweizer Lösung startet, ist noch offen. Bomholt rechnet erst gegen Ende Jahr damit. Der Grund seien finanzielle Überlegungen. Bei der Post heisst es auf Anfrage: «Die Testphase läuft noch. Die definitive Aufnahme der digitalen Verzollung erfolgt im ersten Halbjahr», sagt Sprecherin Nathalie Dérobert. Die Post baue für Amazon keine spezielle Logistik-Infrastruktur auf, es handle sich um eine «normale» Kundenbeziehung und nicht um ein Kooperationsabkommen. Die Zusammenarbeit sei nicht exklusiv.

Laut Schätzungen kommen derzeit täglich 3500 verzollte Amazon-Pakete in die Schweiz, hinzu kommen 15'000 bis 20'000 unverzollte Kleinsendungen. Im letzten Jahr dürfte Amazon in der Schweiz gegen 500 Millionen Franken Umsatz erzielt haben. Zum Vergleich: In Deutschland liefert Amazon täglich eine Million Pakete aus, was einem Jahresumsatz von 20 Milliarden Euro entsprechen dürfte.

Bomholt ist überzeugt, dass es die Seite Amazon.ch mit Preisen in Franken in «absehbarer Zeit» nicht geben wird. Die wichtigen Märkte für den US-Giganten seien eher China, Indien und weitere Länder in Asien.

Wie viel Zweckoptimismus steckt hinter der Amazon-Prognose von MeinEinkauf-CEO Jan Bomholt? Seine Firma verdient Geld damit, Schweizer Kunden Einkäufe bei ausländischen Versandhändlern zu ermöglichen. «Die Anzahl Amazon-Accounts in der Schweiz ist seit 2016 zwar massiv gestiegen, aber gleichzeitig auch der Frust von Kunden. Da kommt unsere Dienstleistung ins Spiel», sagt Bomholt. Er ist überzeugt, dass der Anteil der Bestellungen von Amazon.de via MeinEinkauf.ch weiter steigen wird. Die Zahlen von MeinEinkauf zeigen: 2017 kauften Kunden via Amazon.de bei 13'000 verschiedenen Händlern. Diese Waren dürfen nicht unter den Vertrag mit der Schweizer Post fallen und somit auch künftig nicht einfach so in die Schweiz zu liefern sein.

www.20min.ch/finance/news/story/Volles-Amazon-Sortiment-bleibt-Schweiz-verwehrt-12912055

 

"Die Grenze für Amazon-Pakete öffnen" - NZZ vom 23. Mai 2018

www.nzz.ch/wirtschaft/die-grenze-fuer-amazon-pakete-oeffnen-ld.1388099

Christoph G. Schmutz, 23.5.2018, 17:02 Uhr

Detailhändler in der Schweiz fürchten sich schon lange vor dem Moment, da in der Schweiz das Vollsortiment von Amazon verfügbar sein wird. Das ist noch nicht der Fall. Dazu müssten zuerst administrative Hürden an der Grenze abgebaut werden.

Schweizer Konsumenten können auch weiterhin nicht auf das volle Amazon-Sortiment zugreifen, trotz dem jüngst publik gewordenen Abkommen zwischen dem US-Onlinehändler und der Schweizerischen Post. Das geht aus Daten hervor, die Jan Bomholt, Gründer und Geschäftsführer der Firma Meineinkauf, am Mittwoch veröffentlicht hat. Meineinkauf bietet Schweizer Kunden gegen ein Entgelt an, Amazon-Produkte einzukaufen, als würden sie in Deutschland wohnen, und liefert diese dann nach Hause. Die Firma wurde 2012 gegründet und beschäftigt mittlerweile 60 Mitarbeiter. Dank dieser Position als Vermittler weiss das Unternehmen, was Schweizer Konsumenten bei Amazon Deutschland einkauften, wenn sie die Privilegien eines deutschen Wohnsitzes besässen.

Das Amazon-Vollsortiment wird auf 300 Mio. Artikel geschätzt. Bereitgestellt werden die Produkte auf der deutschen Plattform von Amazon selbst sowie von über 100 000 von der amerikanischen Firma unabhängigen Verkäufern. Die Drittanbieter wiederum nutzen teilweise die Lieferlogistik von Amazon. Das Abkommen mit der Post betrifft aber laut Bomholt nur das Eigensortiment der US-Firma. Die Schweizer Konsumenten, die über Meineinkauf bei Amazon Deutschland einkaufen, beziehen aber 80% ihrer Waren bei Dritthändlern. 2017 waren das 13 000 unterschiedliche Anbieter. Diese Händler müssen aber weiterhin über eine eigene Zoll-Lösung für den Export aus der EU und für den Import in die Schweiz verfügen, wenn sie ihre Produkte direkt in die Schweiz einführen möchten. Ab Anfang 2019 muss ferner jeder Händler, der weltweit mehr als 100 000 Fr. Umsatz generiert, in der Schweiz die Mehrwertsteuer abführen.

Diese Hürden dürften weiterhin Tausende von kleinen Händlern davon abhalten, in die Schweiz zu liefern. Das ist bedauerlich. Amazon müsste also noch einen grossen Effort leisten, um das Vollsortiment hierzulande leichter zugänglich zu machen.

www.nzz.ch/wirtschaft/die-grenze-fuer-amazon-pakete-oeffnen-ld.1388099

"Zahlen Schweizer Online-Kunden bald EU-Preise?" - NZZ vom 8. Februar 2018

Liebes NZZ-Team: Danke für den Bericht. Was wir ergänzen möchten: Die Mehrheit der Kunden von MeinEinkauf.ch kauft nicht wegen Preisunterschieden, sondern weil ein Grossteil des Amazon.de Sortiments von über 100'000 Marktplatz-Händlern nicht in die Schweiz lieferbar ist.

Das MeinEinkauf.ch Team

www.nzz.ch/wirtschaft/gibt-es-bald-eu-preise-fuer-schweizer-online-kunden-ld.1355256

Ausweichmanöver für Kunden

https://www.nzz.ch/wirtschaft/gibt-es-bald-eu-preise-fuer-schweizer-online-kunden-ld.1355256

[...]

Ausweichmanöver für Kunden

Jeder Schweizer Wunsch nach einem neuen Abkommen mit der EU reibt sich an der derzeitigen Blockade in den Verhandlungen über einen Rahmenvertrag Schweiz - EU. Immerhin kann Bern das Geo-Blocking auch in eigener Regie verbieten, doch die Durchsetzung wäre wohl eher schwierig – vor allem wenn Anbieter keine physische Präsenz in der Schweiz haben. Weltkonzerne, die einen Ruf zu verlieren haben, sind unter Umständen laut Beteiligten auch ohne physische Schweizer Präsenz bereit, auf ein hiesiges Rechtsverfahren einzusteigen. Aber das muss nicht für alle anderen Anbieter gelten.

Immerhin können Schweizer Konsumenten das Geo-Blocking von EU-Anbietern in manchen Fällen relativ leicht umgehen. So gibt es eine Vielzahl von Lieferadressen im grenznahen Raum für Schweizer Kunden, die ausländische Preise wollen und bereit sind, bestellte Güter selber abzuholen. Eine Alternative bieten Vermittler wie Meineinkauf.ch: Von Schweizer Kunden bestellte Waren aus der EU (vor allem Deutschland) gelangen an die Firmenadresse des Vermittlers in Konstanz; dieser besorgt die Verzollung und übergibt die Ware dann in der Schweiz an die Post. Der Schweizer Kunde erhält deutsche Preise (inkl. deutscher Mehrwertsteuer) und zahlt dazu dem Vermittler eine Gebühr von Fr. 14.90 bis zu einer Sendung von 10 Kilogramm.

Der Vermittler lebt vor allem von der Differenz zwischen Schweizer und deutscher Mehrwertsteuer. Im Mittel verarbeitet die Firma laut Betriebsleiter Alexander Fischer mit derzeit rund 50 Mitarbeitern etwa 400 bis 500 Pakete pro Tag. In Einzelfällen komme es aber auch vor, dass deutsche Lieferanten sich mit Verweis auf die Marktabgrenzung weigerten, die Vermittler zu beliefern.

Die Registrierung bei MeinEinkauf.ch ist kostenfrei.

Sichern Sie sich jetzt Ihre @MeinEinkauf.ch Email-Adresse.

Jetzt sichern