Presse 2018

"Fokus Schweiz" - Onlinehändler News.de

Onlinehändler Magazin, Q3/2018

 https://www.onlinehaendler-news.de/downloads/onlinehaendler-magazin

von Julia Ptock  - Während der Warenversand innerhalb der EU für Online-Händler relativ unkompliziert ist, müssen sich Händler, die in die Schweiz versenden, einigen Herausforderungen stellen. Die Themen Mehrtwertsteuer, Zoll sowie Zollinhaltserklärungen und Retouren sollte jeder auf dem Schirm haben.  Was es zu beachten gilt und was Schweizer Online-Shopper von deutschen Online-Händlern erwarten, haben wir an dieser Stelle einmal genauer unter die Lupe genommen.

 

"Die nächste Schlacht – jenseits von Amazon" - BILANZ

Bilanz vom 14. Juli 2018

https://www.bilanz.ch/people/die-nachste-schlacht-jenseits-von-amazon

von Philipp Albrecht - Im Schweizer E-Commerce herrscht höchste Nervosität. Schuld ist für einmal nicht Amazon. Die Unruhe wird verursacht von Migros und Coop.

Wir sind so klein, dass sich Amazon nicht für uns interessiert», sagt ein Mann, der fast zwei Meter gross ist. Jan Bomholt hat einen festen Händedruck und ein herzliches Lächeln. 2012 kam der Wahlschweizer beim Spaziergang durch Konstanz auf eine geniale Geschäftsidee. Sechs Jahre später setzt er mit MeinEinkauf.ch einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag um und beschäftigt 60 Leute.

Bomholt bewegt Ware aus deutschen Onlineshops in die Schweiz, die sonst nicht hierher geliefert wird oder hier viel zu teuer ist. Er zählt fast 200 000 registrierte Kunden. Jeden Tag kommen 200 neue dazu. Man könnte MeinEinkauf.ch als eine Art Marktplatz bezeichnen. Als einen ­Kanal, der den Konsumenten die Ware bereitstellt. Wie Amazon. Der US-Gigant macht geschätzt die Hälfte seines Handelsumsatzes mit dem Marktplatzmodell. Dass Amazon nun einen Deal mit der Post ab­geschlossen hat, um einfacher Ware ins Nicht-EU-Land Schweiz zu liefern, müsste Bomholt eigentlich Sorgenfalten auf die Stirn zeichnen. Denn auf der Mehrheit der Päckli, die über MeinEinkauf.ch laufen, prangt das Amazon-Logo.

Doch Bomholt bleibt cool. «Ich schlafe weiterhin gut», sagt er. 82 Prozent seiner Amazon-Bestellungen stammen von Marktplatzhändlern. Die haben keinen Deal mit der Schweizer Post, weil sie ihre Ware selber verschicken. Amazon ist für sie nur die Verkaufsplattform. Noch dieses Jahr soll die Post die digitale Verzollung für Amazon-Pakete starten. Die Marktplatzware wird nicht dazugehören. Weiterhin sind bei diesen Dritthändlern die Retouren nicht geregelt, und es besteht die Gefahr, dass dem Besteller nach der Lieferung eine ­zusätzliche Rechnung vom Zoll ins Haus flattert. «Es wird sich also kaum etwas ­ändern», sagt Bomholt. Weder die Post noch Amazon wollen das kommentieren. Auch der Amazon Prime Day, den der Konzern für den Montag ausgerufen hat, spielt für Bomholt kaum keine Rolle. Zwar haben rund 100'000 Schweizer Kunden ein Prime-Abonnement – es nützt ihnen allerdings wenig.

Die Gefahr für Bomholt kommt nicht von aussen. Vielmehr müsste ihm Sorgen machen, was Migros und Coop gerade aufbauen. Wie überall im Schweizer Detailhandel wollen die beiden Grossverteiler auch online den Markt beherrschen. Und die Stimmung zwischen den beiden ist mehr als gereizt.

Niederlage für Joos Sutter

Ende Mai in Jegenstorf BE. Coop-Chef Joos Sutter schüttelt freundlich Hände. Kaderleute und Lokalpolitiker stossen an. An der Einweihung des neuen Logistik­zentrums der Coop-Töchtergesellschaften Interdiscount und Microspot lässt er sich an diesem ­Morgen die Niederlage nicht anmerken. Kurz zuvor beschloss Coop das Ende des Online-Marktplatzes Siroop. Ein Mega-Flop, sagen einige. Andere finden, man hätte noch ein paar Jahre durchhalten sollen. Sutter ­lächelt das Versagen routiniert weg. In seiner Rede zeichnet er das Bild einer organischen Fusion.

«Siroop ist die ideale Ergänzung für Microspot», bekräftigt er. Man setze nun auf eine Marke statt auf verschiedene. Der schöne Erweiterungsbau ist an diesem Morgen nur Neben­schauplatz. Der Coop-Chef nutzt die Veranstaltung, um eine Kampfansage an die ­Migros zu platzieren. Die Einbindung von Siroop in Microspot werde die Wirkung einer Giesskanne haben, «die man vorne mit einer Düse versieht».

Noch während Sutter spricht, veröffentlicht die Migros-Tochter Digitec Galaxus eine Medienmitteilung, in der sie eine ­ ­Kooperation mit der Premium-Möbelmarke Teo Jakob ankündigt. Bald würden «hochwertige Kleider sowie Schmuck und Beauty-Produkte» dazukommen. Coop kontert mit einer Mitteilung zur Lager-Eröffnung: «Interdiscount und Micro­spot starten Online-Offensive.»

Wie immer: Migros und Coop. «Es ist ein harter Kampf um die Nummer eins im Schweizer Onlinehandel», stellt Patrick Kessler fest, Präsident des Verbands des Schweizer Versandhandels (VSV). «Keiner der beiden mag dem anderen etwas ­gönnen», beobachtet Thomas Lang vom E-Commerce-Berater Carpathia.

Der Eindruck täuscht nicht: Es geht 2018 Schlag auf Schlag im Schweizer Onlinehandel. «Die Nervosität in der Branche ist sehr hoch», sagt Roland Brack, Gründer von Brack.ch. Offenbar wurde nun nach dem Siroop-Ende eine Regel in Stein gemeisselt: Wer nicht schon seit Jahren im Markt ist, hat kaum mehr eine Chance.

Microspot gibt es seit 1980 und war früher ein seriöser Interdiscount-Konkurrent. 1996 kaufte Coop beide Formate auf und schloss die Microspot-Filialen. 2007 erweckte Joos Sutter, damals Interdiscount-Chef, die Marke als Onlineshop zu neuem Leben. Die Bekanntheit ist noch heute ­bescheiden.

Microspot.ch ist allenfalls für Tiefstpreise bekannt. Experten loben aber Aufbau und Schnelligkeit des Onlineshops: «Die Startseite kommt ohne sichtbares Produktemenu aus», sagt Thomas Lang. «Das ist schon sehr innovativ.» Microspot wird einzelne Siroop-Leute übernehmen und für sie einen Standort in Zürich be­treiben. Die ehemaligen Siroop-Kunden lockt man dieser Tage per Gutschein herüber: Wer sich auf Microspot.ch registriert, erhält 50 Franken Rabatt.

Digitec Galaxus wagt Abenteuer Deutschland

Ob Microspot das Zeug hat, Galaxus als Marktplatz gefährlich zu werden, ist fraglich. Der Name ist noch stark mit Heimelektronik verbunden. Aus genau diesem Grund hat Erzfeind Digitec 2012 auch Galaxus gegründet. Die Frage ist eher, ob man überhaupt an der Marktmacht von Digitec Galaxus rütteln kann. Die beiden listen zusammen fast zwei Millionen Produkte. Die Migros hatte 2012 den besseren Riecher als Coop und beteiligte sich an der Firma. Dank einer Marketingrakete, wie sie nur der orange Riese zünden kann, erhöhte sich der Umsatz von Digitec Galaxus auf zuletzt 861 Millionen Franken. Viermal so viel wie Microspot. 2018 werde man wohl die Milliardengrenze knacken, stellte der Einkaufschef kürzlich an der E-Commerce-Konferenz «Connect» in Aussicht.

Gut möglich, dass die Deutschland-Expansion von Galaxus nur eine Tarnung für die Migros ist.

Noch im laufenden Jahr will man in Deutschland starten. Mit ihrem Umsatz wäre Digi­tec Galaxus dort der fünftgrösste Onlinehändler. Doch über die Chancen von Galaxus streiten sich die Experten. «Kein Netzwerk, keine Erfahrung, keine Credibility», urteilt ein Branchenkenner, für den die Expansion «absolut null Sinn» macht. Carpathia-Mann Lang hingegen ­findet den Schritt «mutig und durchaus erfolgversprechend».

Genauso uneins sind sich die Kenner in Deutschland: «Ich glaube nicht, dass ­Galaxus hier eine grosse Chance hat», sagt Mark Steier von Wortfilter.de. «Wenn sie wie angekündigt nur moderat ins Marketing investieren, reicht das höchstens für 25 bis 35 Millionen Umsatz pro Jahr.» ­Optimistisch dagegen ist Jochen Krisch von Exciting Commerce, der den Schweizern fünf Jahre nach Markteintritt einen dreistelligen Millio­nen­umsatz zutraut.

Dabei könnte die Deutschland-Expansion nur eine Tarnung sein. Sie sei der Versuch der Migros, jenseits des Rheins an günstigere Markenprodukte in hohen Mengen zu gelangen, hallt es aus der Branche. Die Hersteller verkaufen ihre Ware den Schweizer Händlern seit Jahren über ihre ­hiesigen Tochtergesellschaften zu überteuerten Preisen. Galaxus.de könnte so Pampers, Gillette oder Nivea günstiger direkt in Deutschland ­einkaufen und über ­ihren «EU-Hub», ein neues Verzollungscenter in Weil am Rhein, in die Schweiz holen.

Bei Digitec Galaxus widerspricht man lächelnd: Das sei durchaus eine ernste Sache. Die Logik liege in der Skalierbarkeit, für einen Onlinehändler, der mit der Weltspitze ­mithalten wolle, sei der Schweizer Markt eben viel zu klein.

Es zeigt, dass die Ambitionen hoch sind. Genauso wie das Selbstvertrauen. Der Siroop-Flop hat seinen Teil dazu beigetragen. Es wird gerne gespottet im M-Konzern am Zürcher Limmatplatz, wo CEO Fabrice Zumbrunnen viele Mittel in die Online-Expansion steckt. Man sieht sich als Speerspitze des E-Commerce. Die Umsätze geben der Migros recht. Sie weist derzeit 1,95 Milliarden aus, Coop kommt auf 1,71 Milliarden. Das Wachstum ist bei beiden gross.

Seit Jahren kopiert man sich schamlos und versucht, Schwächen des Gegners auszunutzen. Als Siroop Ende 2015 an den Start ging, nannte sich Galaxus plötzlich auch Marktplatz. Zwar bot Galaxus schon zuvor Waren von Dritt­händlern an, sah das selber aber nie als marketingtechnischen Vorteil. Nebenbei holte sich Galaxus als kleinen Coup den Haustier­bedarfshändler Qualipet exklusiv ins Boot. Siroop wiederum vermeldete das Angebot von Brack.ch auf seinem Marktplatz als Gross­erfolg. Hinter vorgehaltener Hand verweisen beide Seiten gegenüber Journalisten regelmässig auf Verfehlungen der Konkurrenz. Als im April das Ende von Siroop bekannt gegeben wird, macht ein Hinweis auf Twitter die Runde: Wer bei Galaxus das Stichwort «Reissleine» in die Suchmaske eingibt, dem wird ein Sirup empfohlen. ­«Marketing at its best», kommentierte einer.

Dass Siroop gegenüber Galaxus den Kürzeren zog, hat auch mit fehlendem Mut zu tun. Man wollte explizit keine ausländischen Händler auf der Plattform. Eine Anbindung an ein deutsches Onlinehändler-Netzwerk wurde von der Chefetage explizit unterbunden. Qualität statt Masse: eine fatale Fehleinschätzung. Von den vielen kleinen Schweizer Händlern hatten die wenigsten Online-Erfahrungen. Ihre Anbindung an die ­Siroop-Software scheiterte in zahlreichen Fällen, und die Qualität der Sendungen ging weit aus­einander. Selbst Coop-Mitarbeiter, welche bei ­Siroop bestellten, klagten am Hauptsitz wiederholt über den unberechenbaren Service.

Immerhin im Food-Bereich wird Coop der Migros langsam gefährlich. Hier teilen sich die beiden Riesen 99 Prozent des Marktes. Zwar verweist die Migros-Tochter LeShop Coop@home auch hier auf Platz zwei, doch Letztere wächst inzwischen viel schneller. Strategisch werden die beiden Töchter noch immer eher stiefmütterlich behandelt. Der Konkurrenzkampf ist darum auch kleiner. «Wir haben gemeinsam daran gearbeitet, den Schweizer Konsumenten zum Onlinekauf zu animieren», resümiert Ex-LeShop-Chef Dominique Locher sein Verhältnis zu Coop@home-Chef Philippe Huwyler.

Dritthändler aus Deutschland auf Galaxus

Ganz anders im Non-Food, wo Galaxus nun Dritthändler aus Deutschland auf ihren Marktplatz holt. Die Ware kommt via EU-Hub ins Land. Wie es Galaxus nach ­eigenen Angaben schafft, dank ­einer Software­lösung mit relativ wenig ­Personal die komplexe Verzollung zu vollziehen, will das Unternehmen «aus Konkurrenzgründen» im Detail nicht verraten. Stefan Fraude, der Marktplatzverantwortliche bei Ga­laxus, betont, dass man nur mit Dritthändlern zusammenarbeite, die ihre hohen Qualitätsansprüche erfüllen. «Wir wollen mit einer überschaubaren Anzahl an Händlern aus dem europäischen Raum das Optimum für unsere Kunden erzielen», sagt Fraude.

Klasse statt Masse? Wenn Galaxus daran festhält, wird Jan Bomholt und sein Fast-Marktplatz MeinEinkauf.ch kaum Kunden verlieren. Denn der sogenannte Long Tail – Produkte jenseits der Megaseller iPhone und Co. – ist seine Basis. «Je grösser Galaxus im Long Tail wird, desto mehr verlieren wir», erklärt Bomholt. Doch auf absehbare Zeit rechnet er mit höchstens fünf Prozent Umsatzeinbruch. Behält der Unternehmer recht, entkäme er für diesmal den Detailhandels-Walzen Migros und Coop.

https://www.bilanz.ch/people/die-nachste-schlacht-jenseits-von-amazon

 

"Amazons Prime-Day-Party findet ohne Schweizer statt" - Handelszeitung

Handelzeitung, vom 13. Juli 2018

https://www.handelszeitung.ch/unternehmen/amazons-prime-day-party-findet-ohne-schweizer-statt

von Bastian Heiniger - Hierzulande haben geschätzt mehr als 100'000 Personen einen Prime-Zugang von Amazon. Dabei profitieren Schweizer kaum davon.


Amazon geht auf Kundenfang. Zum dritten Jahr in Folge zelebriert der Online-Gigant vom 16. bis 17. Juli seinen Prime Day – einen selbst erfundenen Feiertag für Internet-Shopper. Eine riesige Rabattschlacht. Das Pendant zum Singles Day des chinesischen Konkurrenten Alibaba, der letzten November für einen Rekord-Umsatz von 25,3 Milliarden US-Dollar sorgte. Amazon hingegen erzielte 2017 nur 2,4 Milliarden.
Ein Flop ist der Prime Day aber nicht, im Gegenteil. Denn Amazon hat ganz andere Absichten als Alibaba: Während am Singles Day die verschiedenen Marken mit Rabatten im Vordergrund stehen, dreht sich der Prime Day primär um Amazon selbst. Zwar lockt der Online-Marktplatz mit Rabatten für mehr als eine Million Produkte –  von Lebensmitteln, Haushaltsgeräten, Kleidern bis zum Computer, Fernseher und Möbel. Am meisten bewirbt er jedoch die hauseigenen Geräte, etwa der smarte Lautsprecher Echo, der eBook-Reader Kindle oder Amazons Tablet Fire.

Rabatte als Köder für Mitgliedschaft

Die Aktionen dienen als Köder. Denn der Prime Day bezweckt vor allem eines: Neue Mitglieder für das Kundendienstprogramm Amazon Prime gewinnen. Wer nämlich von den Schnäppchen profitieren will, braucht eine Mitgliedschaft. Amazon wirbt zwar mit einer kostenlosen Probezeit von 30 Tagen. Doch die wenigsten kündigen danach, wie eine Analyse des Consumer Intelligence Research Partners (CIRP) zeigt: 73 Prozent der Nutzer bleiben, auch wenn der Dienst kostenpflichtig wird.


Für Amazon ist Prime eine Erfolgsmodell: Die Mitgliedschaft bindet den Nutzer – finanziell und psychologisch. Mitglieder entrichten nicht nur eine Jahresgebühr von bis zu 119 US-Dollar. Sie geben laut CIRP jährlich 600 Dollar mehr aus auf der Plattform als normale Kunden. Weltweit besitzen 100 Millionen Personen eine Mitgliedschaft. In den USA haben unterdessen fast die Hälfte aller Haushalte einen Prime-Zugang.

So viele Schweizer nutzen Amazon Prime

Wie sieht es in der Schweiz aus? Das Forschungszentrum für Handelsmanagement der Universität St. Gallen führte dazu eine Befragung durch. Und veröffentlichte im Januar das Resultat in einem Gastbeitrag in der «Handelszeitung». Das Ergebnis: In der Schweiz sollen 10 Prozent über einen Prime-Zugang verfügen – das wären 800’000 Personen. In der Branche sorgte die Zahl für Aufsehen. Zustande kam sie wie folgt: Die Forscher befragten 3000 Personen, von denen 46 Prozent angaben, bei Amazon zu bestellen. Von ihnen gaben 21 Prozent an, Prime zu haben. Das Ergebnis wurde dann auf die gesamte Bevölkerung hochgerechnet.


Thomas Lang, Unternehmensberater für E-Commerce, hat daraufhin die Zahl im Auftrag eines grossen Detailisten geschätzt, wie er auf Anfrage mitteilt. Lang geht davon aus, dass von insgesamt einer Million Schweizer Amazon-Kunden 100’000 bis 150’000 Prime-Mitglieder sind. Wahrscheinlich ist selbst diese Zahl noch hoch angesetzt.
Denn Schweizer profitieren kaum von Amazon Prime. Die beiden grossen Vorteile des Dienstes: eine versandfreie Lieferung, die innerhalb von 24 Stunden im Briefkasten ist. Beides gilt nicht für die Schweiz. «Wenn wir von Prime-Angeboten im Bereich Online-Handel sprechen, dann ist mir nicht bekannt, dass dies in der Schweiz effektiv funktioniert», sagt Patrick Kessler, Präsident des Schweizerischen Verband des Versandhandels (VSV). Vielleicht ändere sich das, wenn Amazon die Verzollung in den Griff bekomme. Ähnlich sieht das Jean-Claude Frick, Digitalexperte beim Vergleichsportal Comparis: «Für Schweizer Kunden lohnt sich Amazon Prime eigentlich nicht.» Und die Zusatzdienste wie etwa Prime Video und Prime Music seien in der Schweiz weniger attraktiv als in den USA.

Obwohl Amazon noch nicht mit der geballten Schlagkraft in der Schweiz präsent ist, wächst der Einfluss. Hierzulande ist der Marktplatz mit einem Umsatz von 575 Millionen Franken bereits der drittgrösste Onlineshop – hinter Digitec und Zalando. Das zeigen die am Donnerstag veröffentlichten Zahlen der E-Commerce-Beratungsfirma Carpathia.


Was ändert der Amazon-Deal der Post?


Der Deal, den die Schweizerische Post mit Amazon abschloss, dürfte aber an der Tatsache, dass sich Amazon Prime hierzulande kaum lohnt, nichts ändern. Zwar übernimmt die Post im Verlauf dieses Jahres die Importverzollung und Zustellung in der Schweiz. «Die Post baut für Amazon jedoch keine spezielle Logistikinfrastruktur auf», sagt Post-Sprecher François Furer auf Anfrage. Die Dienstleistungen für Amazon würden ausschliesslich mit Standardprozessen erbracht, in die sich Amazon einfüge. Ob mit Prime bald auch gratis in die Schweiz geliefert werde, liege in der Hand von Amazon. Auf eine entsprechende Anfrage ging Amazon nicht ein. Jedenfalls deutet derzeit nichts darauf hin, dass der Dienst in der Schweiz etabliert würde.


Und so ist der von Amazon hochgekochte Prime Day in der Schweiz höchstens ein lauwarmes Süppchen. Jan Bomholft, Gründer von meineinkauf.ch, sagt: «Letztes Jahr hat sich der Prime Day bei uns nicht stark bemerkbar gemacht.» Über Bomholts Portal können Schweizer Kunden in Deutschen Onlineshops Waren bestellen, die nicht in die Schweiz geliefert werden; gerade auf Amazon gilt das noch immer für viele Produkte. Insgesamt verzeichnete er lediglich 11 Prozent mehr Bestellungen. Ein Grund ist laut Bomholt auch, dass Amazon besonders Elektronik-Artikel mit Rabatten bewirbt. Und diese bestellten Schweizer eher bei Digitec und Brack. «Der Black Friday im November ist für uns wichtiger», sagt Bomholt. Und so werden sich hierzulande viele Online-Shopper noch bis zur grossen vorweihnachtlichen Schnäppchenjagd gedulden.
 

https://www.handelszeitung.ch/unternehmen/amazons-prime-day-party-findet-ohne-schweizer-statt

 

 

"Volles Amazon-Sortiment bleibt Schweiz verwehrt" - 20 Minuten

20 Minuten vom 23. Mai 2018

www.20min.ch/finance/news/story/Volles-Amazon-Sortiment-bleibt-Schweiz-verwehrt-12912055

von S. Spaeth - Der Schweizer Markteintritt von Amazon steht bevor. Für hiesige Händler dürfte die neue Konkurrenz aber weit weniger stark sein als bisher angenommen.

Amazon goes Switzerland. So jedenfalls tönte es Ende 2017. Damals wurde bekannt, dass die Schweizer Post künftig die Verzollungen sowie einen 24-Stunden-Lieferdienst für den US-Onlinehändler übernehmen wird. Hinweise auf Amazons Schweizer Markteintritt finden sich auch im Handelsregister, wo unter anderem eine Amazon Data Services Switzerland GmbH zu finden ist.

«Amazon ist das Schreckgespenst der Schweizer Händler», sagt MeinEinkauf-Gründer und -CEO Jan Bomholt. Doch fürchten sich Schweizer Anbieter zu Recht? Der Experte hat am Mittwoch an der E-Commerce-Tagung Connect zu diesem Thema referiert und sich im Vorfeld mit 20 Minuten unterhalten. «Ich kann den Schweizer Händlern die Angst nehmen. Denn ganz so schnell wird Amazons Markteintritt mit dem vollen Sortiment nicht möglich sein», erklärt Bomholt.

Amazon hat weltweit über 300 Millionen Artikel im Sortiment. Beim Grossteil davon ist der US-Konzern aber lediglich die Verkaufsplattform und nicht der eigentliche Verkäufer. Laut Bomholt betrifft der Vertrag zwischen Amazon und der Post lediglich jenes Sortiment, das vom US-Handelsriesen selbst verkauft wird. «Dieses ist aber schon heute grösstenteils in die Schweiz lieferbar», sagt Bomholt. Allein auf Amazon.de verkaufen derzeit 100'000 verschiedene Händler ihre Ware, wobei Amazon teilweise den Versand übernimmt.

Warum spannt Amazon überhaupt mit der Schweizer Post zusammen? Hintergrund sind Änderungen im Schweizer Mehrwertsteuergesetz, die ab 2019 in Kraft treten. Neu werden ausländische Versandhändler, die mit Kleinsendungen weltweit über 100'000 Franken Umsatz pro Jahr machen, steuerpflichtig. Dies zwingt Amazon, eine eigene Zoll-Lösung zu implementieren. Der US-Gigant hat also nur noch bis Ende Jahr den Vorteil, dass Kleinsendungen bis 65 Franken Wert abgabenfrei in die Schweiz eingeführt werden können, weil Beträge von 5 Franken oder weniger von den Zollbehörden nicht erhoben werden.

«Die neuen Schweizer Mehrwertsteuer-Regeln werden viele Händler auch künftig davon abhalten, in die Schweiz zu liefern», sagt Bomholt. Der administrative Aufwand lohne sich für sie nicht. Hintergrund der Anpassungen bei den Schweizer Mehrwertsteuer-Regeln ist der Aufstand der Schweizer Versandhändler, die sich durch die abgabenfreien Kleinsendungen aus dem Ausland benachteiligt sahen.

Ebenfalls dürften Rücksendungen für Amazon eine Hürde darstellen: «Die Schweizerische Post wird nach meiner Einschätzung zunächst keine einfache Retouren-Lösung für Amazon selbst anbieten», erklärt Bomholt. Der Experte geht davon aus, dass die Schweizer Kunden das Porto bezahlen und sich selbst um die Formalitäten kümmern müssen.

20’000 unverzollte Kleinsendungen pro Tag

Wann genau Amazon mit seiner Schweizer Lösung startet, ist noch offen. Bomholt rechnet erst gegen Ende Jahr damit. Der Grund seien finanzielle Überlegungen. Bei der Post heisst es auf Anfrage: «Die Testphase läuft noch. Die definitive Aufnahme der digitalen Verzollung erfolgt im ersten Halbjahr», sagt Sprecherin Nathalie Dérobert. Die Post baue für Amazon keine spezielle Logistik-Infrastruktur auf, es handle sich um eine «normale» Kundenbeziehung und nicht um ein Kooperationsabkommen. Die Zusammenarbeit sei nicht exklusiv.

Laut Schätzungen kommen derzeit täglich 3500 verzollte Amazon-Pakete in die Schweiz, hinzu kommen 15'000 bis 20'000 unverzollte Kleinsendungen. Im letzten Jahr dürfte Amazon in der Schweiz gegen 500 Millionen Franken Umsatz erzielt haben. Zum Vergleich: In Deutschland liefert Amazon täglich eine Million Pakete aus, was einem Jahresumsatz von 20 Milliarden Euro entsprechen dürfte.

Bomholt ist überzeugt, dass es die Seite Amazon.ch mit Preisen in Franken in «absehbarer Zeit» nicht geben wird. Die wichtigen Märkte für den US-Giganten seien eher China, Indien und weitere Länder in Asien.

Wie viel Zweckoptimismus steckt hinter der Amazon-Prognose von MeinEinkauf-CEO Jan Bomholt? Seine Firma verdient Geld damit, Schweizer Kunden Einkäufe bei ausländischen Versandhändlern zu ermöglichen. «Die Anzahl Amazon-Accounts in der Schweiz ist seit 2016 zwar massiv gestiegen, aber gleichzeitig auch der Frust von Kunden. Da kommt unsere Dienstleistung ins Spiel», sagt Bomholt. Er ist überzeugt, dass der Anteil der Bestellungen von Amazon.de via MeinEinkauf.ch weiter steigen wird. Die Zahlen von MeinEinkauf zeigen: 2017 kauften Kunden via Amazon.de bei 13'000 verschiedenen Händlern. Diese Waren dürfen nicht unter den Vertrag mit der Schweizer Post fallen und somit auch künftig nicht einfach so in die Schweiz zu liefern sein.

www.20min.ch/finance/news/story/Volles-Amazon-Sortiment-bleibt-Schweiz-verwehrt-12912055

 

"Die Grenze für Amazon-Pakete öffnen" - NZZ vom 23. Mai 2018

www.nzz.ch/wirtschaft/die-grenze-fuer-amazon-pakete-oeffnen-ld.1388099

Christoph G. Schmutz, 23.5.2018, 17:02 Uhr

Detailhändler in der Schweiz fürchten sich schon lange vor dem Moment, da in der Schweiz das Vollsortiment von Amazon verfügbar sein wird. Das ist noch nicht der Fall. Dazu müssten zuerst administrative Hürden an der Grenze abgebaut werden.

Schweizer Konsumenten können auch weiterhin nicht auf das volle Amazon-Sortiment zugreifen, trotz dem jüngst publik gewordenen Abkommen zwischen dem US-Onlinehändler und der Schweizerischen Post. Das geht aus Daten hervor, die Jan Bomholt, Gründer und Geschäftsführer der Firma Meineinkauf, am Mittwoch veröffentlicht hat. Meineinkauf bietet Schweizer Kunden gegen ein Entgelt an, Amazon-Produkte einzukaufen, als würden sie in Deutschland wohnen, und liefert diese dann nach Hause. Die Firma wurde 2012 gegründet und beschäftigt mittlerweile 60 Mitarbeiter. Dank dieser Position als Vermittler weiss das Unternehmen, was Schweizer Konsumenten bei Amazon Deutschland einkauften, wenn sie die Privilegien eines deutschen Wohnsitzes besässen.

Das Amazon-Vollsortiment wird auf 300 Mio. Artikel geschätzt. Bereitgestellt werden die Produkte auf der deutschen Plattform von Amazon selbst sowie von über 100 000 von der amerikanischen Firma unabhängigen Verkäufern. Die Drittanbieter wiederum nutzen teilweise die Lieferlogistik von Amazon. Das Abkommen mit der Post betrifft aber laut Bomholt nur das Eigensortiment der US-Firma. Die Schweizer Konsumenten, die über Meineinkauf bei Amazon Deutschland einkaufen, beziehen aber 80% ihrer Waren bei Dritthändlern. 2017 waren das 13 000 unterschiedliche Anbieter. Diese Händler müssen aber weiterhin über eine eigene Zoll-Lösung für den Export aus der EU und für den Import in die Schweiz verfügen, wenn sie ihre Produkte direkt in die Schweiz einführen möchten. Ab Anfang 2019 muss ferner jeder Händler, der weltweit mehr als 100 000 Fr. Umsatz generiert, in der Schweiz die Mehrwertsteuer abführen.

Diese Hürden dürften weiterhin Tausende von kleinen Händlern davon abhalten, in die Schweiz zu liefern. Das ist bedauerlich. Amazon müsste also noch einen grossen Effort leisten, um das Vollsortiment hierzulande leichter zugänglich zu machen.

www.nzz.ch/wirtschaft/die-grenze-fuer-amazon-pakete-oeffnen-ld.1388099

"Zahlen Schweizer Online-Kunden bald EU-Preise?" - NZZ vom 8. Februar 2018

Liebes NZZ-Team: Danke für den Bericht. Was wir ergänzen möchten: Die Mehrheit der Kunden von MeinEinkauf.ch kauft nicht wegen Preisunterschieden, sondern weil ein Grossteil des Amazon.de Sortiments von über 100'000 Marktplatz-Händlern nicht in die Schweiz lieferbar ist.

Das MeinEinkauf.ch Team

www.nzz.ch/wirtschaft/gibt-es-bald-eu-preise-fuer-schweizer-online-kunden-ld.1355256

Ausweichmanöver für Kunden

https://www.nzz.ch/wirtschaft/gibt-es-bald-eu-preise-fuer-schweizer-online-kunden-ld.1355256

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Ausweichmanöver für Kunden

Jeder Schweizer Wunsch nach einem neuen Abkommen mit der EU reibt sich an der derzeitigen Blockade in den Verhandlungen über einen Rahmenvertrag Schweiz - EU. Immerhin kann Bern das Geo-Blocking auch in eigener Regie verbieten, doch die Durchsetzung wäre wohl eher schwierig – vor allem wenn Anbieter keine physische Präsenz in der Schweiz haben. Weltkonzerne, die einen Ruf zu verlieren haben, sind unter Umständen laut Beteiligten auch ohne physische Schweizer Präsenz bereit, auf ein hiesiges Rechtsverfahren einzusteigen. Aber das muss nicht für alle anderen Anbieter gelten.

Immerhin können Schweizer Konsumenten das Geo-Blocking von EU-Anbietern in manchen Fällen relativ leicht umgehen. So gibt es eine Vielzahl von Lieferadressen im grenznahen Raum für Schweizer Kunden, die ausländische Preise wollen und bereit sind, bestellte Güter selber abzuholen. Eine Alternative bieten Vermittler wie Meineinkauf.ch: Von Schweizer Kunden bestellte Waren aus der EU (vor allem Deutschland) gelangen an die Firmenadresse des Vermittlers in Konstanz; dieser besorgt die Verzollung und übergibt die Ware dann in der Schweiz an die Post. Der Schweizer Kunde erhält deutsche Preise (inkl. deutscher Mehrwertsteuer) und zahlt dazu dem Vermittler eine Gebühr von Fr. 14.90 bis zu einer Sendung von 10 Kilogramm.

Der Vermittler lebt vor allem von der Differenz zwischen Schweizer und deutscher Mehrwertsteuer. Im Mittel verarbeitet die Firma laut Betriebsleiter Alexander Fischer mit derzeit rund 50 Mitarbeitern etwa 400 bis 500 Pakete pro Tag. In Einzelfällen komme es aber auch vor, dass deutsche Lieferanten sich mit Verweis auf die Marktabgrenzung weigerten, die Vermittler zu beliefern.

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